Die
Löwen-Apotheke ist die älteste Apotheke Zwickaus. Sie wurde
in den siebziger Jahren des 15. Jahrhunderts, zur Zeit des mit
den Schneeberger Silberfunden zusammenhängenden wirtschaftlichen
Aufschwungs der Stadt gegründet.
Ihr genaues Gründungsjahr lässt sich nicht genau ermitteln;
aber auch der erste Besitzer, der Apotheker Jorg Holoch, ist urkundlich
zum ersten Mal im Jahre
1476 nachgewiesen.
Die Löwen-Apotheke hat verschiedene Standorte besessen.
1484 ist sie im Römerhaus, dem heutigen Hauptmarkt 8, eingemietet,
1486 in des Apothekers eigenem Haus, Markt 16 untergebracht, dem jetzigen
Hauptmarkt 16.
Hans Frank, der Nachfolger Holochs, heiratet 1494 dessen
Witwe Beatrix und übernimmt Haus und Apotheke, die er 1504
krankheitshalber schließt.
Zweiundzwanzig Jahre später eröffnet er sie wieder in seinem
Haus in der Korngasse, der heutigen Hauptstraße 13.
Hans Franks Sohn übernimmt 1535 das Haus mit der Apotheke.
Sein Schwiegersohn Georg Schädlich (Schedel) erhält 1557
die Apotheke. Christoph
Weck aus Annaberg kauft das Corpus 1561 und verlegt es in sein
Haus Markt 17, heute Hauptmarkt 17, das er 1562 gekauft hat. An
diesem Platz ist die Löwen-Apotheke bis heute zu finden. Thomas
Freund heiratet 1571 des Vorgängers Witwe und erhält
Haus und Apotheke in Leihe.
1598 übernimmt Abraham Gutschmidt Apotheke und Haus
von Freunds Witwe, nachdem er sie 1595 geheiratet hat.
Joachim Flügel aus Güstrow kauft 1621 Haus und
Apotheke und nach seinem Tod im Jahre 1633 lässt Anna Margaretha,
seine unmündige Tochter, die Apotheke verpachten. Unter den Pächtern
ist 1635 Gregor Rüdiger aus Dresden Conductor der Apotheke,
bei der Übernahme werden zahlreiche Defekte im Inventar nachgewiesen.
Die Posten die "ganz verdorben und nicht tüchtig" sind
zahlreich, so zum Beispiel sämtliche species.
Im Pachtkontakt eines anderen Pächters, Dr. med. Paul Macasius,
der die Zeit von Michaelis 1638-1641 zunächst vorsieht, heißt
es von der Verfassung der Apotheke, dass "darinnen von materiellen
fast nichts tüchtiges vorhanden".
Dr. med. Johann Georg Macasius, der Sohn des vorigen Pächters,
kauft 1649 Haus und Apotheke, die er nach dem Tod seines Vaters
verpachtet hat. Nach seinem Tod verwaltet sein Schwager Sigismund
Georgie aus Dresden die Apotheke und kauft dann das Haus und Apotheke
1661. Ein Verwandter, Friedrich Georgie, wird 1692
Universalerbe von dessen Witwe. Diesem "Provisor in der St. Christoph
Apotheke" wird 1684 geboten, "hinkünftig die Sonn-
und Feiertage unter denen Predigten die Apothekentür zuzuhalten
und niemanden einigen Brandwein zu verschenken und zwar dieses bey 20
Taler Strafe".
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Der nächste
Besitzer, Johann Nathanael Knoll, wird 1719 belehnt, nachdem
1716 sein Vater, der Zwickauer Lohgerber Jahann Michael Knoll,
Haus und Apotheke von Friedrich Georgie gekauft hat. 1726 wird
sein Besitz zwangsversteigert und von seiner Frau Esther Susanna
Knoll sub hasta erstanden. Zwei Jahre später setzt ihn der
Rat in Arrest wegen "großer Unfertigkeit und weil er auch
mit dem Feuer unvorsichtig umgegangen". 1729 wird er des
Landes verwiesen.
Franz Gottfried Wagner aus Erfurt kauft 1738 Haus und
Apotheke, ihm folgen 1756 Christian Gottlieb Pfändler
aus Löbau, 1792 Phillip Leberecht Hertel aus
Schneeberg und 1819 sein Sohn Ludwig Leberecht Hertel.
Die nächsten Besitzer wechseln schnell. Hertel verkauft Haus und
Apotheke 1826 an Friedrich Bandau aus Görlitz, 1826
kauft Johann Peter Richter aus Hadersleben in Dänemark,
und 1829 Christian Friedrich Bienert aus Freiberg Haus
und Apotheke aus der Konkursmasse von Richter. August Laurentius
aus Leipzig, zuletzt in Lausigk wohnhaft gewesen, kauft 1831
Haus und Apotheke.
Zwei Jahre später erwirbt er gemeinsam mit dem Eigentümer
der Schwanen-Apotheke, Christian Carl Adolph Gehe, zu gleichen
Teilen das benachbarte Haus Markt 18, in dem sich die Apotheke "Zum
goldenen Stern" befindet. Diese wird geschlossen, 1835 sind
die Rechtsverhältnisse der Schließung dieser Apotheke endgültig
geklärt. Damit besitzt die Stadt bis zu Gründung der Oberplanitzer
Apotheke 1864 nur noch zwei Apotheken.
1835 kauft Laurentius von Gehe noch dessen halben Anteil am Haus
Nr. 18 ohne die diesem anteilig verbleibenden Apothekengerechtsame.
Damit gelangen die benachbarten Häuser in einen Besitz.
Der aus Basel stammende und zuletzt in Dresden ansässig gewesene
Johann Heinrich Bischoff kauft 1838 Haus und Markt 18
und 17 mit der Apotheke "Zum goldenen Löwen", 1849
Wilhelm Otto Andritzschy aus Leipzig, Clemens Robert Walther
aus Olbernau folgt 1869.
Die nächsten Besitzer sind 1883 Carl Alfred Wiedemann
, 1886 Konrad Eich, 1890 Ferdinand Georg Leopold
Wilhelm. Ihm folgt sein Sohn Erhard als Eigentümer.
1935 führen seine Witwe und Sohn Horst Wilhelm als
Mitarbeiter die Apotheke weiter, die sie dann verpachten.
Nachdem mit dem 31.12.1945 im Land Sachsen alle Privilegien, Real- und
Personalkonzessionen erloschen sind und dieses selbst Inhaber und Rechte
ist, sind 1946 Wilhelm Hollunder und von 1947 bis April
1976 Gerhard Günther Staatspächter. Staatlicher
Leiter war Pharmazierat Heinrich Groß. 1989 übernahm
Pharmazierätin Erika Krause die Leitung der Löwen-Apotheke.
Seit 1991 ist die Löwen Apotheke privatisiert und wurde 1998
von Dr. Reinhard Mank übernommen.
Auszug aus:
Zwickau mit Informationen der Stadt und chronologischem Auszug aus der
Stadtgeschichte,
S. 20-21
Autor:
Erika Krause
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